Bundestreffen der DAAD StipendiatInnen in Halle

Mit Prof. Dr. Margret Wintermantel, Prof. Dr. Udo Sträter und Prof. Dr. Dorothee Röseberg

12.05.2014 | An dieser Stelle mein Grußwort beim Bundestreffen der DAAD StipendiatInnen in Halle.

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrter Herr Rektor,
liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen in unserer Stadt und an einer Universität mit einer sehr langen und von Internationalität geprägten Geschichte!
Ein Beispiel: So darf ich voller Stolz sagen, dass Anton Wilhelm Amo, der erste Student afrikanischer Herkunft in Deutschland, hier in Halle studiert hat.
Und nicht etwa, wie Sie vielleicht vermuten, vor 30 oder 40 Jahren.
Anton Wilhelm Amo studierte ab dem Jahr 1727 an dieser Universität.
Der gebürtige Ghanaer sprach neben Deutsch Französisch, Griechisch, Hebräisch, Holländisch und Latein.
Sie sehen: Bereits damals maß man dem Verstehen und Sprechen verschiedener Sprachen einen hohen Stellenwert bei. Die Förderung ausländischer Studierender ist also keine Erfindung der Neuzeit.
Aber ich muss zugeben: Sie ist heutzutage zum Glück nicht mehr die Ausnahme, sondern wird mehr und mehr zur Regel.
Für die Martin-Luther-Universität kann ich – als Alumni – mit Fug und Recht behaupten: der Internationale Austausch und die internationale Ausrichtung sind zentraler Baustein dieser Universität.
Die Universität kooperiert in Studienprogrammen mit mehr als 200 Hochschulen weltweit. Viele der über 20.000 Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Halle nehmen die Möglichkeit war, mit Hilfe von Stipendien Auslandsaufenthalte durchzuführen.
Der internationale Austausch ist eine Bereicherung – für den oder die Einzelne, aber auch für die Universität und die Stadt.
Ein lebendes Beispiel für internationalen Austausch steht gerade vor Ihnen.
Nur mit Hilfe eines Stipendiums war es mir möglich, 1985 am Herder-Institut Deutsch zu lernen und danach ein Studium der Chemie, hier in Halle, aufzunehmen.
Während meiner Promotionsphase erhielt ich ebenfalls ein DAAD-Stipendium. Auch ich bin quasi ein DAAD-Gewächs.
Mit Hilfe des DAAD gelingt es in einer einzigartigen Art und Weise, die Bildungswege von Menschen weltweit zu unterstützen.
Allein im Jahr 2012 förderte der DAAD über 75.000 junge Akademikerinnen und Akademikern und öffnete ihnen die Tür zu internationalen Erfahrungen.
Der DAAD stärkt mit seiner Arbeit nicht nur den oder die Einzelne.
Er fördert die Internationalisierungsstrategien unserer Hochschulen, er fördert die deutsche Sprache im Ausland und er unterstützt Entwicklungsländer beim Aufbau des Hochschulwesens.
Der DAAD ist damit die weltweit größte Förderorganisation seiner Art.
Die Arbeit des DAAD ist aber nicht nur nach außen gerichtet. Ihm gelingt es, viele junge Menschen für einen Aufenthalt in Deutschland zu begeistern.
Mit Hilfe des DAAD konnten bis heute über 790.000 Menschen unser Land kennenlernen. Eine unglaubliche Zahl, wie ich finde.
Davon profitieren wir, denn die Menschen, die zu uns kommen, bereichern unsere Gesellschaft.
Und was uns besonders freuen muss ist: Umfragen zeigen, dass viele von ihnen auch gern weiterhin in Deutschland bleiben würden.
Hier arbeiten möchten.
Vielleicht sogar irgendwann hier Wurzeln schlagen und eine Familie gründen möchten.
Aber zu wenige bleiben. Nur jeder vierte Masterstudent aus dem Ausland bleibt auch hier.
Dafür brauchen wir gute gesetzliche Voraussetzungen: ein liberales Aufenthaltsrecht, einen guten Übergang in den Beruf und allgemein ein gutes Gesellschaftsklima.
Dank der Liberalisierungen in den letzten Jahren, sehe ich im Aufenthaltsrecht derzeit kaum Handlungsbedarf. 
Ich sehe vor allem die Hochschulen und die Wirtschaft in der Pflicht.
Damit der Übergang vom Studium in den Job besser funktioniert, müssen die Kooperationsbemühungen intensiviert werden. 
Erst mit guter Arbeit wird es attraktiv in der Region zu bleiben. Dazu zählen ein fairer Lohn und ein gutes Arbeitsumfeld. Aber auch eine gute Infrastruktur für Familien und und und. 
Sie sehen: Da ist noch viel zu tun für uns.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein ereignisreiches Wochenende, 
interessante Vorträge 
und nutzen Sie die Möglichkeit, meine Heimatstadt kennenzulernen.

Vielen Dank!