Duale Ausbildung: "So sichern wir Teilhabe und stärken den sozialen Zusammenhalt"

Plenardebatte zum Bildungsbericht 2016

10.06.2016 | Sehr verehrte Frau Präsidentin, verehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

der erste Satz im Berufsbildungsbericht 2016 lautet: „Die berufliche Aus- und Weiterbildung bildet eine wesentliche Grundlage für Wirtschaftswachstum, Wohlstand und sozialen Zusammenhalt in Deutschland.“

Dieser Satz unterstreicht die große Bedeutung und die Potenziale des Erfolgsmodells „duale Ausbildung“ für unsere Gesellschaft. Der Bericht zeigt, vor welchen Herausforderungen wir stehen.

Aber zunächst das Positive:

  • Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge steigt.
  • Wir haben insgesamt mehr Ausbildungsstellen.
  • Die Zahl der Anfänger im Übergangssystem verringert sich seit 2005. 

Fazit: Weniger Jugendliche sind in der Warteschleife. Und das ist gut so!

Zu den Herausforderungen:

  • Die Quote an Ausbildungsanfängern bei Jugendlichen Migranten ging leicht auf 31,1 % zurück.

Damit liegt sie aber 25 % unter der Quote deutscher Jugendlicher (56,3 %).

  • Und die Zahl an Geflüchteten spiegelt sich noch nicht auf dem Arbeitsmarkt wider.
  • Zudem: 50 % der Geflüchteten sind jünger als 25.
  • Es ist also mit einer steigender Nachfrage nach Berufsorientierung und -ausbildung zu rechnen.

Auch mit Blick auf die Integration der Geflüchteten besteht großer Handlungsbedarf. Das positive Signal ist: Die duale Ausbildung kann ihre Potenziale für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft voll entfalten. Dafür müssen wir aber die Rahmenbedingungen verbessern.

Was ist konkret zu tun? Wenn ich im Wahlkreis z.B. mit Schülern oder Eltern spreche, geht es meist ums Studieren. Eine Berufsausbildung haben viele völlig zu Unrecht gar nicht im Blick. Trotz vieler Maßnahmen: Die Attraktivität der dualen Ausbildung muss gesteigert werden. Und die Potenziale für die Integration jüngerer Menschen mit Migrationshintergrund müssen wir stärker in den Blick nehmen. Denn ihnen gelingt der direkte Übergang in eine duale Ausbildung deutlich seltener als ihren Altersgenossen ohne Migrationshintergrund. Das liegt aber nicht nur an schlechteren Schulabschlüssen.

Die Aussichten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf einen Ausbildungsplatz sind erheblich geringer. Und das auch bei gleichen Leistungen. So bilden z.B. aktuell nur rund 15 % der ausbildungsaktiven Unternehmen Jugendliche mit Migrationshintergrund aus. Hier ist also Luft nach oben – hier muss gehandelt werden. Ein Ansatzpunkt ist: Mit der 3+2 Regelung schaffen wir Rechtssicherheit für Unternehmen. Für die Gesamtdauer der Ausbildung erhalten Auszubildende in schulischer und betrieblicher Ausbildung eine Duldung.

Wir dürfen ebenfalls bei der Sprachbildung nicht nachlassen. Am besten ist die Kombination aus Sprachbildung und Betriebspraktika. Die Praxis zeigt uns: Das muss Hand in Hand gehen.

Das Projekt „Migranten in duale Ausbildung“ in Sachsen-Anhalt ist nur ein gutes Beispiel von vielen. Zwei Punkte spielen dabei für die Integration von Jugendlichen ins Berufsbildungssystem eine Rolle.

  1. Eltern und Unternehmen werden stärker für die Potenziale einer Ausbildung für junge Migranten sensibilisiert.
  2. Und die jungen Migranten zwischen 18 und 35 Jahren werden auf die Ausbildung vorbereitet und kontinuierlich begleitet.

Abschließend spreche ich noch das Thema Anerkennung an. Der gestern verabschiedete Bericht hat gezeigt: Die SPD hat Recht. Es bestehen Förderlücken bei den Verfahrenskosten. Mit dem geplanten Programm sichern wir folgendes ab: Unabhängig vom Geldbeutel können vorhandene Qualifikationen anerkannt werden.

Damit entfalten wir Potenziale und sorgen für Chancengleichheit.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit der dualen Ausbildung und der Anerkennung beruflicher Qualifikationen haben wir hervorragende Instrumente in der Hand. So sichern wir Teilhabe und stärken den sozialen Zusammenhalt.

Vielen Dank!