Ksenijas Praktikumsbericht

Im Paul-Löbe-Haus

07.05.2015 | Als Studentin der Erziehungswissenschaften und aufgrund meiner persönlichen Annahme, dass Bildung nicht von politischen Entscheidungen getrennt werden kann, der Zusammenhang in meinem bisherigen Studium jedoch nur sehr bedingt behandeln wurde, hatte ich mir erhofft an genau dieser Schnittstelle einen tieferen und praktischen Einblick zu erhalten. Auf die Empfehlung eines mir bekannten SPD- Mitglieds hin, wurde ich auf die Arbeit des Bundestagsabgeordneten Dr. Karamba Diaby aufmerksam. Nach einer umfangreichen Recherche über seine Tätigkeitsfelder, habe ich mich um ein Praktikum bei ihm beworben.

Die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten

Die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten lässt sich in zwei räumliche und zwei inhaltliche Bereiche unterteilen: Von 52 Wochen im Jahr, muss sich ein Abgeordneter 22 Wochen, der Arbeit in Berlin, also im Bundestag widmen. In diesen sogenannten Sitzungswochen ist jedes Mitglied des deutschen Bundestages mindestens einer Arbeitsgruppe und dem dazugehörigen Ausschuss zuzuordnen. Karamba hat gleich drei von jeder Sorte: AG bzw. Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung, AG bzw. Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und AG bzw. Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement. Die drei Arbeitsgruppen und Ausschüsse bringen selbstverständlich dreifachen Arbeitsaufwand mit sich. Dort werden anderen Mitgliedern eigene Ideen und Vorstellungen dargelegt, Initiativen besprochen, diskutiert und über mögliche Handlungsabläufe entschieden. Neben der Arbeit in den Arbeitsgruppen sowie den Ausschüssen ist der Alltag eines Abgeordneten geprägt von vielen weiteren Terminen: Fachgespräche, Plenarsitzungen, Landesgruppensitzungen, Tagungen, Fraktionssitzungen, Interviews, Besichtigungen, Besuchsterminen, persönlicher Beratung und vieles mehr.

In den restlichen 30 Wochen des Jahres sind die Abgeordneten in den jeweiligen Wahlkreisen. Wer gedacht hätte, dass die Abgeordneten dort etwas entspannen können, wird an dieser Stelle schwer enttäuscht, denn auch dort kann von Terminmangel nicht die Rede sein. Die Arbeit ist dabei nicht nur auf Wahlkreis spezifische Thematiken und Problematiken sowie herkömmliche Beschäftigung mit Themen des Bundes und der Vor- und Nachbereitungen der Ausschusssitzungen begrenzt, sondern ist beispielsweise auch mit In- und Auslandsreisen verbunden.

Der offizielle Arbeitsalltag eines Abgeordneten beträgt min. 8 Stunden, der inoffizielle dauert an manchen Tagen auch bis zu 16 Stunden. Denn nicht allein die Wahrnehmung von Terminen übersteigt die Arbeitszeit eines Vollzeitbeschäftigten, sondern auch die Tatsache dass ein Abgeordneter  über alle politischen Abläufe und Entscheidungen, auch des Auslandes und außerhalb des persönlichen Themengebietes, informiert sein muss, erfordert Zeitaufwendung und Planung bereits am Frühstückstisch und beim Abendbrot. Der Job als Abgeordneter ist meiner Meinung nach aufgrund des Zeit- und Arbeitsaufwandes nicht zu beneiden, wie oftmals von vielen Gesellschaftsmitgliedern unterstellt wird.

Karamba und die sozialdemokratische Familie

Vor Ort angekommen, wurde ich direkt in Karambas „kleine“ und „große“ sozialdemokratische Familie aufgenommen. Mit der „kleinen“ Familie sind seine beiden Teams in Berlin und Halle gemeint. Diese führten mich in alle täglichen Abläufe direkt ein, waren immer für jegliche Fragen und Hilfestellungen offen und hatten auch für persönliche Belange jederzeit Verständnis. Nur mit einer Sache war man sehr streng mit mir: Falls es mir am Anfang mal doch ausgerutscht ist, war das Siezen strikt verboten! Gemeinsame Unternehmungen auch außerhalb der Arbeitszeit waren keine Seltenheit. Wie Karamba passenderweise selbst immer zu sagen pflegt: „Ohne seine Mitarbeiter, ist ein Abgeordneter gar nichts.“, bestätigte sich bei mir mit zunehmender Praktikumsdauer dieser Eindruck. Denn seine Mitarbeiter sind als Gesamtheit Karambas rechte Hand, sind in alle Prozesse fest mit eingebunden und prägen seine Entscheidungen mit. Das besondere an der Arbeit der Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten ist, dass man für die tägliche Wissenserweiterung bezahlt wird, denn auch die Mitarbeiter müssen über alle politischen Vorgänge bestens Bescheid wissen. Somit darf tägliches Presse lesen selbstverständlich auch während der Arbeitszeit nicht fehlen.

Auch in der Gesamtstruktur der sozialdemokratischen („großen“) Familie hat man sich sehr wohl gefühlt und wurde wie ein langjähriges Mitglied behandelt. Mit einem vielfältigen Praktikantenprogramm der SPD- Bundestagsfraktion wurde die Arbeitszeit oftmals in Vergnügen und in persönliche Weiterbildung umgewandelt. So hatte ich die Möglichkeit, an mehreren Gesprächen mit Fachpersonen verschiedener Bereiche, Botschaftern, an einer Sitzung der Bundespressekonferenz sowie an politischen Talkshows wie „Hart aber Fair“ und „Maybrit Illner“ teilzunehmen.

Karamba selbst war immer bereit, in jeder freien Minute, auch wenn er diese kaum fand, seine Erfahrungen mit mir zu teilen, etwas zu erklären und mich in alle Abläufe einzuführen. Stolze Führungen an die schönsten Plätze seines Wahlkreises sowie durch das Regierungsviertel in Berlin waren ebenfalls feste Bestandteile seiner Betreuung. In seinem Wahlkreis ist Karamba so etwas wie ein  kleiner Star. Es war unmöglich beim Durchqueren von halleschen Straßen mit ihm länger als 2 Minuten ein Gespräch zu führen ohne durch ein kurzes „Hallo, grüß Dich“ oder ein längeres Gespräch mit den Mitbürgern, unterbrochen zu werden.

Mein Aufgabenbereich

Mein Aufgabenbereich während des Praktikums war sehr vielfältig: Terminbegleitung, Organisation, Vor- und Nachbereitung von Arbeitsgruppen- und Ausschusssitzungen sowie Büroarbeiten wie das Anfertigen von Protokollen und Antwortschreiben, Informationsbeschaffung und- Zusammenstellung, Besuchergruppenbetreuung und Social Media- Verwaltung. Hauptsächlich war ich aufgrund meines Studienganges für die AG bzw. den Ausschuss Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung zuständig. Dort wurde mir verstärkt verdeutlicht wie viele Prozesse eine Initiative durchlaufen muss, um etwas beispielsweise bildungspolitisch verändern zu können. Mein persönliches Highlight war die Anfertigung eines Antrages an die Bundesregierung zum Thema „Bildung als Menschenrecht“. Dabei konnte ich am eigenen Leib erfahren, wie viel Arbeit hinter so einem Antrag tatsächlich steckt.

Fazit
Insgesamt bin ich mit dem Praktikum sehr zufrieden und bin Karamba und seinen Mitarbeitern für die Möglichkeit dieses absolvieren zu dürfen, sehr dankbar. Ich habe viele neue Erfahrungen machen können, habe einiges dazu gelernt und wurde sogar etwas in meiner Studiengangs Wahl gestärkt. Ich habe nun einen besseren Eindruck davon, wie schwierig es ist etwas politisch durchzusetzen und wie notwendig trotz allem diese Bemühungen sind.

Ich würde dieses Praktikum jedem empfehlen, der sich politisch und auch persönlich weiterbilden möchte. Besonders zu empfehlen ist es allem Politikpessimisten, die dafür offen sind, sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

Beste Grüße,

Ksenija Gumenik