"Menschen sind für mich immer ein Selbstzweck"

Karamba Diaby vor dem Plenum im Reichstag - Bild: Bundestag.de
Karamba Diaby vor dem Plenum im Reichstag - Bild: Bundestag.de
Karamba Diaby vor dem Plenum im Reichstag - Bild: Bundestag.de

18.12.2018 | Rede von Karamba Diaby am 14. Dezember zum Thema: "Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher für Deutschland als führenden Standort internationaler Wissenschaft, Forschung und Innovation gewinnen und halten."

Sehr geehrter Herr Präsident!

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Liebe Jusos aus Halle auf der Tribüne!

„Webbasierte Indikatoren“, „Gewinnungsprozesse“, „Talentdatenbanken“ und, nicht zu vergessen, „die Push- und die Pull-Faktoren“ und „Online-Self-Assessment-Tests“!

Meine Kolleginnen und Kollegen, der Begriff „Mensch“ kommt im Antrag der FDP-Fraktion auf zehn Seiten nur zweimal vor. 

Für mich ist klar: Menschen sind keine Forschungsmaschinen, keine Zahlen, keine Mittel, um ein Ziel zu erreichen. Für mich sind Menschen immer ein Selbstzweck. Im Hintergrund ist eine Familie, eine Partnerin oder ein Partner.Internationale Mobilität hat immer auch mit Mut und Hoffnungen zu tun und damit, Vertrautes zu verlassen, Neues zu entdecken und anzukommen. Dazu gehört es auch, dass es in Deutschland eine Offenheit gibt, die einladend ist. Wenn ich mir unsere Forschungslandschaft anschaue, stelle ich fest, dass wir schon sehr weit gekommen sind. Ich möchte Ihnen auch kurz sagen, weshalb ich zu diesem Schluss komme. Wir fördern mit dem Programm „Leadership for Syria“ junge syrische Akademikerinnen und Akademiker. Dabei geht es weniger um uns, sondern mehr darum, dass diese Akademikerinnen und Akademiker ihr Land in einer nahen Zukunft wieder aufbauen können. Auch das gehört zu unserer Verantwortung in Deutschland. Wir haben durch die Alexander-von-Humboldt-Professur die Möglichkeit geschaffen, dass weltweit führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Deutschland kommen, um den Wissenschaftsstandort zu stärken.

Von den 78 geförderten Professorinnen und Professoren forschen 3 in meinem Wahlkreis, in Halle an der Saale, und das ist gut so. Wir haben mit den großen Wissenschaftspakten – sie wurden schon genannt: Hochschulpakt, Exzellenzinitiative und Pakt für Forschung und Innovation – die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Wissenschaft in Deutschland gestärkt und wollen sie auch weiter ausbauen. Über 360 000 internationale Studierende haben sich 2017 an den deutschen Hochschulen eingeschrieben; das sind 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das zeigt, dass wir auf internationaler Ebene mithalten können und offenbar vieles richtig machen. Und demnächst werden wir mit einem Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Einwanderung nach Deutschland transparenter regeln. 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Deutsche Akademische Austauschdienst, DAAD, hat in den letzten 90 Jahren mehr als 2 Millionen Akademikerinnen und Akademiker gefördert. Einer von ihnen war ich, und dafür bin ich sehr dankbar. Der DAAD übernahm mein Stipendium, das mir noch die damalige DDR in den 1980er-Jahren gewährte. Ich konnte weiter in Deutschland studieren und später promovieren. Das ist für mich und meine Familie ein Glück gewesen. Ich konnte hier eine Existenz aufbauen und eine Familie gründen. Heute, über 20 Jahre später, bin ich der Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion für den DAAD. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher in Deutschland halten wollen, dann lassen Sie uns neben unseren Interessen nicht vergessen, dass hinter den Zahlen Menschen stecken, die Wünsche und Träume haben. Genau das fehlt mir in dem Antrag der FDP.

Im Übrigen: Wer nachgezählt hat, hat festgestellt, dass ich das Wort „Mensch“ in meiner Rede fünfmal verwendet habe. Danke schön.